03Chronik des Stadtteil Marburg-Cappel

 

bis 1450

 Aus grauer Vorzeit...

- Von Cappels Anfängen -

  

Zur Frühgeschichte des Cappeler Raums

Während für viele andere Orte die Möglichkeit gegeben ist, auf Grund ihres Namens auf ein bestimmtes Alter zu schließen, so entzieht sich der Name „Cappel“ einer präzisen Altersbestimmung.

Anhaltspunkte für die Existenz von Ansiedlungen im hiesigen Raum gibt es bereits aus sehr früher Zeit:

So ist davon auszugehen, dass der leichte Lößniederschlag auf den Westhängen der Lahnberge zu einer Besiedelung der hochwasserfreien, eiszeitlichen Niedertrassen des Lahntals ermutigte, nachdem zuvor die Ortshänge der Lahnberge und das Amöneburger Becken wegen der fruchtbaren Löß- und Lehmböden ur- und bewohnbar gemacht worden waren.

Erste nachweisbare Besiedlungsmerkmale finden sich in den benachbarten Gemarkungen Cappels bei Mardorf und auf den Lahnbergen. Die Hügelgräber am „Stempel“ zeugen von einer Besiedlung während der Bronzezeit (1600 - 1200 vor Chr.). Entsprechende Spuren aus der jüngeren Epoche der Eiszeit sind am „Lichten Küppel“ wie auch an den anderen Stellen der Lahnberge, am Frauenberg und im Ebsdorfer Grund nachzuweisen. Vergleichbare Funde gibt es ebenso der ostwärtigen Seite der Lahn, bei Bellnhausen. Schließlich verweisen Grabfunde bei Wittelsberg aus der Zeit der Römer bzw. der Chatten.

Eine frühgeschichtliche Besiedlung dieser Region steht also außer Frage. Offen bleibt dagegen, ob bereits zu so früher Zeit und gegeben falls ab wann sich im Ortsbereich des heutigen Cappel eine Siedlungsstätte befand.

 

Es begann mit Ludewicus

Urkundlich wird der Name von Cappel zum ersten Mal im Jahre 1138/1139 erwähnt. An dieser Aufzeichnung ist bedeutsam, dass es sich dabei nicht um die Nennung des Ortes handelt, sondern um den Namen der Person des Ludewicus de Capela (Ludwig von Cappel).

Nun gibt es den Namen „Cappel“ im deutschem Sprachraum häufiger, wenngleich in unterschiedlicher Schreibweise. Zweifel darüber, ob es sich bei dem genannten Ludwig nicht auch um den Träger des Namens Cappel aus einer anderen Region handeln könnte, sind jedoch unbegründet. Denn die erwähnte Urkunde enthält zwei weiter Namen, die dafür bürgen, dass die Personen des Ludewicus de Capela nur mit unserm Cappel in Verbindung zu bringen ist.

Zu einen verweist sie auf Thammo de Wimere, zum andern aus Ludewicus de Marburg, deren Namen sich unschwer den Orten Weimar und Marburg zuordnen lassen. Zudem wird über Ludewicus de Capela ausgeführt, dass er ein Ministerialer (Dienstmann) des Landgrafen Ludwig von Thüringen war und für seinen Herrn bei einer Schenkung zu Brauchbach am Rhein an das Michaelskloster zu Siegburg als Zeuge auftrat.

Kein Zweifel also: Ludewicus de Capela darf als unserem Cappel zugehörig betrachtet werden.

Des Weiteren liefert die Urkunde von 1138/1139 Anhaltspunkte für eine enge Verbindung Cappels mit der landgräflichen Verwaltung in Marburg und für seine Existenz als Adelssitz.

Dies legt den Schluss nahe, dass Cappel bereits vor dem beurkundeten Zeitpunkt als geschlossene Siedlung bestanden haben muss, deren Gründe in die ausklingende fränkische Zeit des 9. bzw. 10 Jahrhunderts fallen dürfte.

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Schenkungsurkunde mit Ersterwähnung des
 Namens „Cappel“ aus dem Jahre 1138/1139

 

Cappeler Adel

Trotz mancher Anhaltspunkte bleibt letztlich offen, ob der Ursprung Cappels auf die Adelsfamilie „derer von Cappel“ zurückzuführen ist. Es darf angenommen werden, dass der ehemalige Ortsadel einen burgähnlichen Besitz im Ortsbereich hatte. Wahrscheinlich ist auch, dass sich sein Standort dort befand, wo heute die Straße „Altes Schloss“ liegt. Über alter und Bestand des vermuteten Burgsitzes lassen sich mangels entsprechender Funde jedoch keine abgesicherten Aussagen machen. 

Ebenso lückenhaft sind die Hinweise über die Adelsfamilie selbst:

  • Der Name de Ludewicus de Capela wird nur einmal genannt und zwar in der erwähnten Urkunde von 1138/1139.
  • Erst 100 Jahre später ist von einer Mechthild von Cappel berichtet, deren mit Vornamen nicht genannter Sohn in Michelbach ein Mannlehen in Gestalt eines Hofes besaß.
  • Weiter Namensträger des Cappeler Adelsgeschichte treten als Angehörige des Deutschen Ordens in Erscheinung: Reinhard von Cappel im Jahr 1248 sowie sein Bruder Herman der in einer Urkunde des Landgrafen Heinrich I. von Hessen als „Offizial“ (Amtmann) bezeichnet wird, im Jahr 1284/1285.
  • Aus dem folgenden Jahrhundert ist der Name „von Cappel“ in drei weiteren  Fällen überliefert: Einmal wird Elisabeth von Cappel als Besitzerin eines Hauses am Pilgrimstein erwähnt, zum andern ein Priester Heinrich von Cappel, der als Vikar des Berthold von Ehringshausen fungierte. Aus dem Jahr 1350 ist über einen Gerlach von Cappel zu lesen, der in der Barfüßerstraße zu Marburg ein Haus besaß.
  • Auch aus dem 15. Jahrhundert stammen entsprechende Hinweise. Sie beziehen sich unter anderem auf den Marburger Stadtschreibers Johannes Schütz (1411-1435), der den Beinamen Cappel trug. Von ihm ist ein Notariatsignet erhalten, das die Aufschrift trägt: „Johannes Schucze, den man nenet Cappil von Marqurg.“ Des Weiteren wird von einer Frau Eilhard von Cappel berichtet, dass sie ein Haus unterhalb der Pfarrkirche in Marburg kaufte (1449). Schließlich ist überliefert, dass ein Angehöriger des Gesindes des Deutschen Ordens in Marburg Hen Kappel hieß (1470). 

In welchem Verwandtschaftsverhältnis die Personen zueinander standen, ist nicht auszumachen. Dafür sind die zeitlichen Abstände zu groß und die einzelnen Angaben zu wenig aussagekräftig. Nachweislich handelt es sich jedoch um Personen, die sich nach unserem Cappel nannten. Ob sie allesamt adliger Abkunft waren, bleibt von untergeordneter Bedeutung.

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Das Signet des Marburger Stadtschreibers (und Notars)

„Johannes Schucze de(n) man nenet Cappil vo(n) Marqurg“