Die Entstehungsgeschichte des Cappeler Wappens

Von Gotthardt Eßbach

 

Die sehr eindrucksvolle Entwicklung Cappels nach dem zweiten Weltkrieg trug mit dazu bei, dass die Bevölkerung dieser Vorstadtgemeinde Marburgs mit einer gewissen Berechtigung stolz auf die von ihr erbrachten Leistungen sein konnte.

Besonders deutlich trat dieses Selbstbewusstsein bei den Gemeindevertretern zutage, die zukunftsorientiert und manchmal auch mit einer gewissen Risikobereitschaft planten. So war auch der Gedanke einiger Gemeindevertreter gar nicht so abwegig, die vorschlugen, die Eigenständigkeit Cappels durch ein Wappen zu dokumentieren.

In einer von Bürgermeister Hahn angeregten Zusammenkunft trafen sich bereits zu Beginn der 60er Jahre interessierte Bürger, um dieses Thema zu diskutieren und nach Möglichkeiten zu suchen, die Idee auch zu realisieren. Teilnehmer in diesem ersten Gesprächskreis waren auch Vertreter des Landschulheimes Steinmühle, die sich bereit erklärten, in Zusammenarbeit mit den Kunsterziehern der Schule Entwürfe zu skizzieren und Vorschläge zu unterbreiten.

In der damaligen Zeit wirkte Herr Prangel als Kunsterzieher an der Steinmühle, der hochbetagt heute seinen Lebensabend in Marburg verbringt.

 

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Mühlenräder der Steinmühle vor 1970  

Aus einem Gespräch mit ihm erfuhr ich Einzelheiten über die Entstehungsgeschichte des Cappeler Wappens und auch über die Beweggründe, warum er gerade ein Mühlrad als Hauptmotiv für dieses Wappen wählte.

Der Kunsterzieher wusste aus der Heimatgeschichte von den gegenseitigen Beziehungen, die schon seit Jahrhunderten zwischen den Bewohnern Cappels und „ihrer" Mühle an der Lahn bestanden.

Tagtäglich begegnete Herr Prangel dem mächtigen Mühlengemäuer, dem alten Mühlgraben. Er beobachtete die Wellen, sah das Wasserrad an der Mühle, für ihn Zeugen entschwundener Tage, aber auch zugleich Mahner an die Vergänglichkeit.

Dieses dauernde Konfrontiert sein mit den Wahrzeichen der Mühle festigte in ihm den Gedanken, dass zumindest eines von ihnen sich auch als Symbol für das Cappeler Wappen eignen müsste. Beim Entwerfen galt es zum einen die Gesetze der Heraldik zu beachten, zum anderen ging es für ihn aber auch um Aussagekräftigkeit, Zuordnung der Symbole, Farbgebung und Gestaltung zu einem Ganzen.

 

Prangel entwarf, zeichnete, korrigierte, kombinierte - und glaubte nach vielen Versuchen endlich die Lösung gefunden zu haben: Auf blauem Hintergrund über goldenen Wellen ein Mühlenrad.

 

cappel grauAls Wappenträger entschied er sich für die Form eines Schildes. Durch eine gekonnte Aufteilung von Rad und Wasser, für die er die Farben Blau und Gold wählte, erreichte er schließlich eine optimale Wirkung. Ganz besonders geglückt bei der künstlerischen Gestaltung war vor allem die Achsensymmetrie von Mühlrad und Wellen.

Herr Prangel legte den Entwurf den Gemeindevertretern zur Begutachtung vor. Nach kurzer Diskussion stimmten diese ohne weitere Einwände der Vorlage zu.

Mit Wirkung vom 09. Oktober 1963 wurde dann durch den Minister des Inneren der Gemeinde Cappel das Wappen verliehen.

 

 

Das Cappel Wappen befindet sich auch im heutigen Wappen der Freiwilligen Feuerwehr Cappel wieder.

 

FW Cappel gross grau