03Chronik des Stadtteil Marburg-Cappel

 

 

Freiwillige Feuerwehr Cappel

von Heinz-Peter Gerber

 

Im 850-jährigen Cappel spielt auch die Feuerwehr seit über 100 Jahren eine große Rolle. Bestimmt hat man sich auch vor 1880 gegen das Feuer gewehrt. Aber die Vorgeschichte der Freiwilligen Feuerwehr Cappel besagt, dass von 1880 bis 1926 eine Pflichtfeuerwehr bestand. Dieses ist auch dadurch bewiesen und dokumentiert, dass die Gemeinde Cappel bereits 1883 eine Hand- Druck- und Saugspritze bei der Marburger Firma Klee und Sohn kaufte, die heute noch im Stützpunkt steht, voll funktionsfähig ist und auch im Festzug zu sehen sein wird. 

Die Brandmeister der Pflichtfeuerwehr waren: Justus Rein, Konrad Eidam, Heinrich Rein und Johannes Claar. 

Da es jedoch bei der Pflichtfeuerwehr mit der Zeit nicht mehr so gut funktionierte, beschlossen 52 Männer im April 1926 die „Freiwillige Feuerwehr Cappel" zu gründen. 

In den Vorstand wurden gewählt: Ortsbrandmeister Johannes Claar, Stellvertreter Heinrich Rein, Kassenwart Heinrich Becker, Kassierer Karl Gnau, Zeugwart Ludwig Hermann. 

In 1939 übernahm Heinrich Rein die Wehrführung, er leitete die Wehr bis zu seinem 70. Geburtstag in 1957

Am 08. November 1948 fand die erste Generalversammlung nach dem Kriege statt, man wählte wieder einen Vorstand, dem folgende Kameraden angehörten: Ortsbrandmeister Heinrich Rein, Stellvertreter Heinrich Schneider, Schriftführer u. Pressewart Peter Gerber, Kassenwart Willi Becker. 

Es war gar nicht so leicht, nach dem unseligen 2. Weltkrieg noch Männer für eine freiwillige Sache zu finden. 

Aber in 1950 hatte die Wehr schon 2 starke Löschgruppen, sowie ein Löschgruppenfahrzeug und ein Tanklöschfahrzeug (TLF 15). 

In 1951 fand in Cappel der 3. Kreisfeuerwehrtag des Landkreises Marburg statt. 

Auch in 1951 wurde bei Landwirt Ernst Heuser die erste Gemeindesirene auf dem Dach montiert, dort war sie bis 1975

In 1953 hatte die Wehr bereits einen Mitgliederstand von 46 aktiven und 63 passiven Mitgliedern. 

In 1957 wird Heinrich Schneider zum Ortsbrandmeister gewählt, er stand der Feuerwehr 11 Jahre vor. 

Da die 2 Löschfahrzeuge an getrennten Plätzen standen (Marburger Straße und an der TSV-Turnhalle), wurde der Ruf nach einem neuen Feuerwehrgerätehaus immer lauter. Die Gemeinde Cappel stand dem Wunsch aufgeschlossen gegenüber. 

Im Jahre 1958 wurde der Neubau auf dem alten Schulhof (heute August-Bebel-Platz) begonnen und konnte in 1960 feierlich eingeweiht werden. Die Feuerwehr hatte mit Eigenleistung ihren Teil dazu beigetragen. 

Im Jahre 1962 wurde die 1. Standarte für unsere Feuerwehr beschafft und feierlich geweiht, sie begleitet uns heute noch bei vielen Anlässen. 

In 1962 wurde auch die Schülerfeuerwehr der Steinmühle der Cappeler Feuerwehr als 3. Gruppe angegliedert. Sie bestand bis 1970

In 1963 wurde durch Bürgermeister Conrad Hahn der Wehr ein Löschgruppenfahrzeug LF 8 übergeben.  

In 1966 wurde in Cappel die erste Jugendfeuerwehr gegründet. Erster Jugendfeuerwehrwart war der heutige Kreisbrandinspektor Georg Kühn. 

Ebenfalls im Jahr 1966 feierten wir das 40-jährige Bestehen in Verbindung mit dem 18. Kreisfeuerwehrtag auf dem alten Schulhof. 

In 1968 wurde Peter Gerber zum neuen Ortsbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Cappel gewählt, er führt die Feuerwehr nun seit 21 Jahren. 

Es spricht für unsere Feuerwehr, dass sie in 50 Jahren nur 3 Vorsitzende bzw. Ortsbrandmeister / Wehrführer hatte. 

In 1969 kaufte die Wehr aus Vereinsmitteln einen neuen VW-Bus und baute ihn zum Kommandowagen um und stellte ihn in den Dienst der Gemeinde. 

Bereits in 1970 waren schon zwei Löschfahrzeuge mit BOS-Funk ausgerüstet. Bereits nach 10 Jahren zeigte sich, dass das 1960 in Betrieb genommene Feuerwehrgerätehaus den Anforderungen nicht mehr gewachsen war. Gemeinde, Feuerwehr und Land Hessen suchten gemeinsam nach einer Lösung. Als Grundstück bot sich der alte Dreschplatz an der Umgehungsstraße an. Aus einem geplanten größeren Feuerwehrhaus wurde dann ein „Feuerwehrstützpunkt", mit angegliedertem Hessischen Jugendfeuerwehrausbildungszentrum. 

Das Richtfest war am 10. Dezember 1971 und die Einweihung fand am 14. Oktober 1972 statt.

Beim Umzug in den Stützpunkt verfügt die Feuerwehr bereits über 5 Löschfahrzeuge.

Der Stützpunkt hatte und hat noch die Aufgabe, den gesamten Südkreis zu betreuen und Hilfe zu leisten, auch zur Unterstützung der örtlichen Feuerwehren, mit Sonderfahrzeugen und Geräten. 

Seit sich die Gemeinden Moischt, Ronhausen und Bortshausen in 1972 freiwillig zur Großgemeinde Cappel zusammenschlossen, besteht die Freiwillige Feuerwehr Cappel nun aus 4 Ortsteilfeuerwehren. Erstmalig wird durch eine Ortssatzung eine Einsatzabteilung gebildet und der Verein bekommt eine neue Vereinssatzung mit dem neuen Namen: „Freiwillige Feuerwehr 1926 Cappel".

Ortsbrandmeister der Großgemeinde und aller Feuerwehren wird Peter Gerber, auch gleichzeitig Wehrführer der Ortsteilfeuerwehr Cappel sowie gemäß Vereinssatzung, kraft Amtes auch Vorsitzender des Vereins. 

In 1973 und 1974 wird die Wehr mit 60 Funkalarmempfängern für die stille Alarmierung ausgerüstet. Dies war zu dieser Zeit eine einmalige Sache unserer Gemeinde. 

In 1974 wird die Wehr mit einem Rüstwagen, einem Schlauchwagen, einem Flutlichtwagen und einem Einsatzleitwagen ausgerüstet. Die Kosten wurden vom Land, Kreis und Gemeinden getragen. Die Stützpunktfeuerwehr ist mit 8 Einsatzfahrzeugen, alle mit Funk und einer Funkzentrale, voll ausgerüstet und einsatzbereit. Von 1972 - 1976 ist Helmut Kühl aus Moischt als hauptamtlicher Gerätewart im Stützpunkt tätig. Alles lief zu Zufriedenheit. 

Am 01. Juli 1974 wird der Gemeinde und Feuerwehr Cappel durch Beschluss des Landes Hessen der Todesstoß versetzt. Cappel wird in die Stadt Marburg eingemeindet. Noch heute frage ich mich, haben wir damals alles getan, um dieses zu verhindern.

Die Stadt Marburg besteht nun aus 16 Stadtteilfeuerwehren, es werden 3 Bereitschaften gebildet, die Wehren der früheren Gemeinde Cappel bilden die Bereitschaft 3. Bereitschaftsführer wird Peter Gerber. Die Wehrführer / Bereitschaftsführer werden Ehrenbeamte der Stadt Marburg. Cappel ist bemüht, innerhalb der Stadt Marburg eine gute Feuerwehr zu stellen und bemüht sich um gute Zusammenarbeit. 

In 1976 feiert die Freiwillige Feuerwehr Cappel ihr 50-jähriges Bestehen, verbunden mit dem 1. Kreisfeuerwehrtag des neuen Großkreises Marburg-Biedenkopf. In 1986 feierten wir das 60-jährige Bestehen.

Die Verdienste unserer Wehrmänner wurden durch hohe Auszeichnungen wie Deutsches Feuerwehrehrenkreuz in Silber und Gold, Hessisches Brandschutzehrenzeichen in Silber, Gold und als Steckkreuz, Ehrennadeln der Deutschen Jugendfeuerwehr, Verdienstmedaillen des DFV, Bundesverdienstkreuz sowie Orden von ausländischen Feuerwehrverbänden, gewürdigt. 

Aus Altersgründen wurden einige Einsatzfahrzeuge durch die Stadt Marburg ersetzt, so dass die Stützpunktfeuerwehr heute über folgende Einsatzfahrzeuge verfügt: 1 Einsatzleitwagen, 1 Tanklöschfahrzeug, 1 Löschgruppenfahrzeug LF16, 1 Löschgruppenfahrzeug LF 8, 1 Rüstwagen, 1 Schlauchwagen, 1 Flutlichtwagen, 1 Drehleiter 18 m, 1 Mannschaftstransportfahrzeug, 1 Ölschadensanhänger und 1 P 250. 

Eine große Anzahl von Löscheinsätzen und Hilfeleistungen wurden gefahren, eine Menge Hab und Gut, sowie Personen und Tiere gerettet oder geschützt. Bei Pokal- und anderen Wettkämpfen konnten große Erfolge erzielt werden.

Der Gemeinschaftssinn in der Feuerwehr wird ganz groß geschrieben und praktiziert. Die Gesamtheit unserer Wehr besteht heute aus 345 Mitgliedern, 70 in der Einsatzabteilung, 8 in der Ehren- und Altersabteilung, 25 in der Jugendfeuerwehr und 242 passiv im Verein.

Der Nachwuchs für die Einsatzabteilung kommt überwiegend aus der Jugendfeuerwehr, hier ist Karl-Heinz Brandt der Jugendfeuerwehrwart.

In die Einsatzabteilung werden die Mitglieder ab dem 17. Lebensjahr aufgenommen, und in die Jugendfeuerwehr kann man ab dem 10. Lebensjahr eintreten.

Neben feuerwehrtechnischer Ausbildung kommen Sport, Spiel, Reisen, Fahrten, Geselligkeit und Kameradschaft nicht zu kurz.

In der Feuerwehr Cappel Mitglied zu sein, ob aktiv oder passiv, bedeutet nicht nur irgendeine Mitgliedschaft, sondern ein PRIVILEG! Wer heute, bei geringem Jahresbeitrag, noch abseits steht, sollte bald um seine Mitgliedschaft nachsuchen. Allerdings, wer nie auf die Feuerwehr angewiesen sein sollte und nie Hilfe erwartet, der sollte es lassen. Neben Feuerwehrausschuss und Vereinsvorstand sind für die Leitung und Führung der Feuerwehr verantwortlich: Peter Gerber, Wehrführer und Vorsitzender Werner Fischer, Stellv. Wehrführer Willi Grebe, Stellv. Vereinsvorsitzender.

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Die Freiwillige Feuerwehr Cappel (1978)

 

Hier finden Sie eine ausführlichere Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Marburg Cappel von 1926 bis heute.