Chronik der Verkehrsanbindung

Die wichtigsten Jahreszahlen der Verkehrsanbindung von Cappel an Marburg

Von Gotthardt Eßbach

 

1897

Anregung zum Bau der Kreisbahn von Marburg-Süd nach Dreihausen.

 

1905

Inbetriebnahme der Kreisbahn mit direktem Anschluss an die Staatsbahn in Marburg-Süd. Durch den Bau der Marburger Kreisbahn wurde der Ebsdorfergrund sowohl für den Personenverkehr als auch für den Güterverkehr erschlossen, wobei die Bedeutung des Güterverkehrs mit den Jahren zunahm.

Cappel erhielt eine Haltestelle, jedoch kein Anschlussgleis zur Steinmühle, wie es der damalige Mühlenbesitzer Matthaei beim Regierungspräsidenten in Kassel beantragt hatte. Hingegen sind an sämtlichen Stationen und Haltestellen Raiffeisenstützpunkte mit Gleisanschluss eingerichtet worden. Um die Ortschaften, die abseits der Bahn in ihrem Einzugsgebiet liegen, dem zunehmenden Verkehrsbedarf zu erschließen, war die Einrichtung eines Parallel-Verkehrs mit Omnibussen in den späteren Jahren erforderlich, vor allem für den Berufs- und Schülerverkehr.

 

1911

Für Cappel gewann die Eröffnung der elektrischen Straßenbahn vom Hauptbahnhof zum Südbahnhof Marburgs immer mehr an Bedeutung, nachdem der vorangegangene Pferdebahnverkehr in Marburg eingestellt worden war. Der Südbahnhof wurde sozusagen eine Art Umschlag- oder Umsteigeplatz für Cappeler Bürger, die dort in die Straßenbahn einstiegen, welche über Wilhelmsplatz - Rudolfsplatz in Abständen von 10 Minuten zum Hauptbahnhof führte.

 

1916

Während des 1. Weltkrieges gab es häufig Stromausfall, dennoch stiegen die Beförderungzahlen.

 

Die 20er und 30er Jahre

Der Südbahnhof blieb der zentrale Punkt für Cappel nach Marburg. Man stieg in Cappel in die Kreisbahn ein und fuhr für 15 Pfennige zum Südbahnhof, wo in die elektrische Straßenbahn umgestiegen wurde, für 10 Pfennige weiter zum Hauptbahnhof über Rudolfsplatz - Pilgrimstein. Für viele Cappeler brachte um diese Zeit ein eigenes Fahrrad einige Vorteile, weil man damit schneller in der Stadt war, manche gingen sogar zu Fuß von Cappel bis zum Südbahnhof!

 

1940

Während des 2. Weltkrieges nahm die Stadt Marburg den ersten Omnibusverkehr auf der Strecke Tannenberg - Frankfurter Straße zu den Kasernen auf. Es bestanden bereits Pläne, die Straßenbahn einzustellen und einen Oberleitungsbetrieb mit Omnibussen zu errichten; die Kriegsereignisse vereitelten dieses Vorhaben jedoch vorerst.

 

1951

Die Straßenbahnlinie in Marburg wurde eingestellt. Dafür übernahmen Oberleitungsbusse den Linienverkehr auf der Strecke Hauptbahnhof - Südbahnhof, jetzt über Biegenstraße, Elisabethkirche. Es sollten vor allem wegen der Entwicklungsgebiete am Stadtrand, wo inzwischen große Siedlungen entstanden waren, bessere Voraussetzungen für den anwachsenden Personenverkehr nach Cappel geschaffen werden. So fuhr erstmalig im Winter 1949/50 ein Omnibus der Marburger Stadtwerke in unser Dorf. Die damalige Linienführung glich allerdings einem Sternenbild im Vergleich zu heute. So fuhr z. B. der Bus von Cappel kommend zum Südbahnhof und weiter zum Hansenhaus, von dort fuhr er dann nach Ockershausen, von Ockershausen nach Marbach und dann erst wieder nach Cappel zurück. Für Cappeler Fahrgäste bedeutete diese Linienführung, dass die meisten am Südbahnhof umsteigen mussten auf die dort endende bzw. beginnende Obuslinie. Die Ära der Obusse endete am 05. Oktober 1968.

 

1956

Endlich wurde eine Direktverbindung Cappel - Innenstadt Marburg geschaffen! Die „Cappeler Schmiede" war Einstiegs- bzw. Endstation. Die Linienführung ist in den Folgejahren noch mehrmals geändert worden, z. B. Cappel - Marbach und Cappel - Afföller, bevor nach 1960 die noch heute bewährten Verbindungen Cappel - Wehrda eingerichtet wurden, heute: Linie 2 und 3 von der Cappeler Gleiche bzw. vom Sohlgraben nach dem Sachsenring in Wehrda.
 

1972 Ende der Kreisbahn

Mit der Kreisbahn war im Jahre 1905 die ver­kehrsmäßige Anbindung Cappels an den Knotenpunkt Marburg-Süd hergestellt wor­den. Wie aus den technischen Entwicklun­gen seitdem erkennbar geworden ist, wurde der Personenverkehr zunehmend vom Om­nibus übernommen. Nachdem immer weni­ger Basalt-Schotter aus Dreihausen für die Bundesbahn benötigt worden ist, nahm ganz zwangsläufig auch der Güterverkehr ab. Im Jahre 1970 bestand keine Kosten­deckung mehr für die Unterhaltung der Gleiskörper und den Maschinenpark für die Kreisbahn. Am 29. Dezember 1972 musste daher der Kreis­bahnverkehr endgültig eingestellt werden.

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Anfänge im Personennahverkehr