Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Cappel

Zeitraum 1960 bis 1970

 

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Hochwasser bei der Firma  
Marburger Lederwaren  

Am 29. August 1960 brach in den Vormittagsstunden ein Unwetter über Cappel herein, wie man es seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt hatte. An Brandeinsätze war man ja inzwischen schon gewöhnt, aber dies war etwas vollkommen anders. Nussgroße Hagelkörner gingen in einer viertel Stunde mit anschließenden Wolkenbrüchen hernieder. Der Himmel verdunkelte sich, als wäre es Nacht. Das Wasser überschwemmte alles und machte sogar den Rest der Ernte zu Nichte. Die Firma Marburger Lederwaren hatte es besonders schwer getroffen. Die Kameraden pumpten in der Firma fünf Stunden lang die Wassermassen aus dem Haus.

 

Um die Ausbildung der zwei Gruppen der Feuerwehr Cappel gewährleisen zu können, wurden bei einer außerordentlichen Versammlung am 02. Februar 1961 zwei Gruppenführer gewählt. Da aus dienstlichen Gründen oft ein Gruppenführer verhindert war, wurde zusätzlich ein Gruppenführer z. b .V. (zur besonderen Verfügung) gewählt. Die schon zwei bekannten Signale der Sirene waren inzwischen durch ein drittes Signal ergänzt worden. Es handelte sich hierbei um 3 Heultöne. Diese hatten die Bedeutung, dass es sich um einen Waldbrand handelt und Schaufeln mitzubringen waren. Alle Signaltöne der Sirene und deren Bedeutung wurden den jungen Kameraden nochmals erklärt.

 

Am 14. Februar 1961 ertönte plötzlich die Sirene. Nach nur zwei Minuten waren die Feuerwehrkameraden zur Stelle und fanden sich im Gerätehaus ein. Bürgermeister Conrad Hahn sprach sein Lob über das schnelle Erscheinen der Männer aus und bemerkte: „Ihr braucht nicht zum Einsatz, es war ein blinder Alarm“. Die Tochter des Bürgermeisters war aus Versehen auf den Auslöseknopf des Feuermelders gekommen. Damit die Kameraden nicht ganz umsonst gekommen waren und er auch nicht ganz unschuldig an dieser Situation war, nutzte er diese Gelegenheit und lud alle Kameraden zu einem Umtrunk ein.

 

017018Im Jahr 1961 wurde der Kaufvertrag für ein Löschgruppenfahrzeug LF V8 und einer Tragkraftspritze TS 8 Magirus von Bürgermeister Hahn unterzeichnet. Das Herstellerwerk geriet leider in Liefer- schwierigkeiten, so dass das neue Löschfahrzeug mit der TS erst 1963 von Bürgermeister Conrad Hahn an die Wehr übergeben werden konnte.

 

 

Das unser Bürgermeister Conrad Hahn, der Gemeindevorstand und die Gemeindevertretung stets bemüht waren, alles für den Brandschutz zu tun, sieht man schon daran, dass alle Mitglieder in der Feuerwehr waren. Dies dürfte wohl im gesamten Kreis Marburg einmalig gewesen sein.